Eltern berichten auf dieser Seite über ihre Erfahrungen mit den Grazer Waldorfkindergärten:

Als ich gebeten wurde, etwas über die Eingewöhnungsphase im Kindergarten zu schreiben, dachte ich spontan an eine Karte, die wir am Ende des ersten Kindergartenjahres unserer „Tante Inge“ geschrieben haben. Ich hatte mich darin bei ihr bedankt, dass es keinen Tag gegeben hat, an dem ich mir, nachdem ich den Kindergarten in der Früh verlassen hatte, Sorgen um meine Kinder gemacht habe. Ich habe zwei Kinder: Anna (inzwischen 8 Jahren alt) und Noah (5 Jahre). Anna – als „Kindergartenpionierin“ unserer Familie – hat einige Zeit benötigt, um mich morgens wirklich fröhlich gehen zu lassen (Sie war 3 J. alt, als sie begann). Nachdem das erste große Interesse vorbei war, war sie häufig weinerlich. In dieser Phase wurde uns sehr entgegengekommen. Anna durfte im ersten Jahr den Besuch von 5 auf 3 Tage reduzieren, ich durfte so lange im Kindergarten bleiben wie nötig und immer wurden die Kinder liebevoll getröstet. Ich habe die Atmosphäre als sehr sanft und familiär empfunden (Tante Janja war mit ihrer herzlichen Art eine dritte Oma).
Wenn wir morgens die Tür zum Gruppenraum geöffnet haben, saß meistens schon jemand am kleinen Tischchen und knetete Brotteig oder schnitt Gemüse. Oft hat es schon herrlich geduftet, und immer wurde jedes Kind persönlich begrüßt (Hand geben) und richtig „in Empfang genommen“.

Diese Begrüßung habe ich als wirkliches Wahrnehmen empfunden und sehr geschätzt, hatte ich es doch in anderen Kindergärten schon ganz anders erlebt.
Durch diesen achtsamen Umgang fiel es auch Anne bald leichter, ihre Angst abzulegen. Sicherheit gegeben hat ihr sicher auch der ritualisierte Ablauf. Es war einfach eine Atmosphäre der Geborgenheit, und nach einigen Wochen war es für Anna selbstverständlich, mich morgens zu verabschieden und in ihre „zweite Heimat „ zu gehen. Mit Noah, der das alles als Zweitgeborener schon lange miterlebte, gab es nie Schwierigkeiten. Er war noch keine 3 Jahre alt, als er begann , mit seiner großen Schwester mitzugehen. Er beginnt im September das 4 Jahr im Kindergarten. Da wir inzwischen den Wohnort gewechselt haben, hat er auch einen Kindergartenwechsel (von der Korösistraße auf die Ries) hinter sich, der vollkommen unproblematisch war. Hat er doch auch im neuen Kindergarten ähnliche Rituale und Atmosphäre vorgefunden. Hilfreich beim Angewöhnen der Kinder war sicher auch der besonders gute Austausch mit den „Tanten“.
Ich wünsche ihnen und ihren Kindern eine wundervolle Kindergartenzeit ! K. Petek

Eine andere Mutter über den Kindergarten in Messendorf:

"Das schöne am Kindergarten ist, dass man nicht ausgeschlossen ist – auch wenn man nicht mehr in den Kindergarten geht!" – das sagte mir meine 11-jährige Tochter vor einigen Tagen in aller Seelenruhe ohne dass ich dieses Thema angeschnitten hätte. Anscheinend ist es nicht nur "lästige" Pflicht für sie, ihren 6-jaehrigen Bruder einmal die Woche zum Kindergarten hinzubringen und auch wieder abzuholen, sondern auch ein gewisses Vorrecht.
Es gab viele wunderschöne Dinge, die man in ihrem Kindergarten fand, die soviel Wärme und "Seele" ausstrahlten.

Der Begriff "Spielzeug" ist in diesem Zusammenhang für mich fast abwertend, weil z.B. die liebevoll hergestellten Puppen für mich kein "Zeug" sind und die Kinder nur in Erwachsenenaugen damit "spielen" – eigentlich "leben" sie mit ihren Puppen als wirkliche Mütter, Väter, Onkeln, Tanten usw. Und Baumstümpfe oder Holzstecken in jeglicher Größe werden in unserer medial inszenierten Design-Gesellschaft wohl eher als Gartenabfall schnell in die Bio-Mülltonne gesteckt denn als Schießgewehr, Gartentor oder gar als königlicher Thron für möglich gehalten.

Gott sei Dank duerfen die Kinder im Waldorfkindergarten ihre Phantasie ausleben, weil sie eben Dinge aus der Natur vorfinden, alltägliche Gegenstände, die sinnvoll be- und genutzt werden und eine "Tante", die in Ruhe und Gelassenheit (aber immer alle Kinder im Bewusstsein!) alltägliche sinnvolle Tätigkeiten ausführt – wie Äpfel schneiden, ein Stück Stoff nähen, den Tisch wischen oder Getreide in der Mühle mahlen.Das war und ist für mich eines der schönsten Dinge im Waldorfkindergarten: das "Sein dürfen". Im Vergleich zum alten Kindergarten durfte meine Tochter ihr Tempo beibehalten und da sie eine sehr träumerische, phantasiereiche und eher nach innen gekehrte Natur ist, war mir das als Mutter eine große Erleichterung – vergleichend mit dem heute so oft verwendeten Begriff "Entschleunigung".

Meine beiden Söhne waren von Anfang an im Waldorfkindergarten. Mein älterer Sohn sogar 1 Jahr ueber das Schulpflichtalter hinaus, weil sich die Schulreife bei ihm etwas später einstellte. Ich danke dafür, dass meinem Älteren noch Zeit gegeben wurde!

Mit etwas Wehmut sehe ich meinen jüngeren Sohn in seinem letzten Kindergartenjahr. Viele Jahre lang – 6 genau – durften meine Kinder naturnahes Spiel, melodisches Singen und Reigen, Feste im Jahreszeitenrhythmus, Dinge in ihrer Einfachheit, Geborgenheit und Wohlwollen genießen und ihre Grenzen dabei ausloten. Kindergartenpädagoginnen mit einer allumfassenden Aufmerksamkeit gegenüber jedem einzelnen Kind – was braucht es, welcher ist sein Weg, oder brauchen vielleicht die Eltern was???? – jedoch ohne Aufdringlichkeit.

Es wird Wert auf gemeinsames Tun in vielen Bereichen (Reigen, Bauen, Werken, Musizieren, Singen, Säen, Ernten) gelegt und doch dürfen alle individuell sein – ob in der Bau-Ecke, in der Puppenstube, beim Kaufmannsladen, im Garten oder wenn es einfach zuviel war für ein Kind - auch im Körbchen zum Ausruhen – aber alles zu seiner Zeit, wenn "es" dran ist.Ich habe das Gefühl, dass meine Kinder immer verstanden wurden, weil sie von den Kindergärtnerinnen wahrgenommen und respektiert wurden in all ihren Wesensgliedern.
Das bedarf einer gewissen Stille und großer, geistesgegenwärtiger Aufmerksamkeit. Wenn die Kinder von "ihrer Tante" sprechen, dann so respektvoll und überzeugt, dass ich staune – einfach weil sie unerschütterliches Vertrauen haben zu ihr. Das wächst auf gutem Boden und in richtiger Atmosphäre – diese Voraussetzungen sind für mich im Waldorfkindergarten auf alle Fälle gegeben.

Eine Mutter erzählt über die Eingewöhnungsphase in der Kinderstube:

An einem kalten Wintermorgen ging ich mit unserer Tochter das erste Mal in die Kinderstube. Stube, ja das Wort passte gut zu der Atmosphäre, die uns empfing: wohlige Wärme, Duft nach frisch gebackenem Brot, freundliche warme Farben und Menschen. Hier war es gemütlich.
Unsere Tochter hielt sich dicht an meiner Seite und schaute umher. Nach einer Weile zog sie mich zu einem Schaukelelefanten. Von dort oben hatte sie einen guten Überblick, was in der Stube so los war, während sie sich im Schaukelrhythmus wiegte. Dieser Schaukelelefant blieb für lange Zeit ihre erste Tätigkeit morgens in der Kinderstube.
Während sich unserer Tochter in den folgenden Tagen mit Kindern, Tanten und Spielsachen vertraut machte, hatte ich Gelegenheit, zu schauen und zu staunen. Da kamen morgens diese kleinen "Zwerge" so selbstständig über die Schwelle als wechselten sie nur die Stube innerhalb ihrer Wohnung. Zweijährige schmierten mit grenzenloser Ausdauer Butter auf Jausenbrote. Und zehn kleine Kinder konnten gleichzeitig still am Tisch sitzen und z.B. Salat essen.

Staunen konnte ich auch mit welcher Wärme und Freude Tanten und Kinder morgens jeden Einzelnen empfingen. Beim Spielen, beim Essen, beim Wickeln immer waren die Tanten mit ihrer Aufmerksamkeit ganz bei den Kindern und Tag für Tag ausgeglichen und fröhlich (wie machen sie das??).

Je weniger meine direkte Nähe für unsere Tochter notwendig war, umso mehr tauchte sie in das Kinderstubenleben ein und konnten die Tanten Kontakt mit ihr aufnehmen: erst nur ein Blick, dann ein Ansprechen, ein Beim-Namen-Nennen, eine kleine Berührung bis hin zum Wickeln und Trösten. Später hörte ich beim Elternabend, dass die Eingewöhnung nicht nur für die Kinder gedacht war. Ja, ich hatte mich auch eingewöhnt, durfte 3 Wochen am Kinderstubenleben teilnehmen und wusste, dass es unserer Tochter gut dort gehen würde. Schön wenn sie und die anderen kleinen Kinder mir auf der Fensterbank sitzend nachwinkten, während ich meinem Tagwerk zueilte. Sie hatten es wohlig und warm in ihrem kleinen Paradies. Manchmal -ich gebe es gern zu- hätte ich Lust gehabt mit ihnen zu tauschen.